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Fortpflanzung
Die Paarung der Wanderratte beginnt im Frühjahr und endet
im Spätherbst. Die Weibchen werden meistens von mehreren Männchen
begattet. Ein Weibchen kann bis zu 7 Würfe mit 5 bis 20 Jungen
aufziehen. Tragezeit 22 bis 24 Tage. Das Nest wird als flachgepolsterte
Mulde in einem Versteck zu ebener Erde oder im unterirdischen Nestkessel
eines Erdbaues angelegt. Die Jungen beginnen sich um den 8. Lebenstag
zu behaaren, ihre Augen öffnen sich nach 13 bis 17 Tagen. Mit
3 bis 4 Wochen erlangen sie ihre Selbständigkeit. Zu dieser
Zeit ist das Muttertier in der Regel schon wieder tragend. Die Jungtiere
erreichen ihre Geschlechtsreife nach 3 bis 5 Monaten.
Wanderratten leben durchschnittlich etwa 4 Jahre. Ein Wanderrattenpaar
kann in einem Jahr unter günstigen Existenzbedingungen 100
bis 150 Nachkommen haben.
Nahrung
Die Wanderratte nimmt pflanzliche wie tierische Nahrung (Cerealien,
Tierfutter, Küchenabfälle, Eier, Fisch u.v.m.), je nach
Angebot als Vorzugsfutter. Sie frisst an Tierkadavern und wurde
auf Friedhöfen in Gräbern beobachtet. Wanderratten befressen
auch größere Tiere. Schwere und träge Schweine,
neugeborene Robben, fest brütendes Hausgeflügel, nesthockende
Jungtiere der verschiedensten Tierarten sind vor Wanderratten nicht
sicher. Selbst flüchtenden größeren Tieren bis zur
Größe von Mantelmöwen (STEINIGER, 1951) stellen
sie nach. Tauchend fangen sie auch Fische. Kleinere Nagerarten gehören
mit zum Nahrungsspektrum.
Rudel und Revier
Wanderratten leben in unterschiedlich großen Gemeinschaften.
Bei ihnen bestimmt das Rudel das Zusammenleben. Im Rudel leben Männchen
und Weibchen unterschied-lichen Alters als Nahrungs- und Schutzgemeinschaft
zur Sicherung ihrer Nachkommenschaft. Ein Weibchen versorgt bei
mehreren Würfen in einem Kessel auch Junge vom Nachbarwurf.
Die Gründung eines Rudels kann durch ein Weibchen, ein Elternpaar
oder eine Gruppe von Jungratten (bis etwa 5 Tiere) erfolgen. Die
Rudelstärke unterliegt Schwankungen. Kleine Rudel haben bis
zu 20 Mitglieder, in annähernd der Hälfte der Rudel leben
jedoch 60 bis 100 Ratten. Der von einem Rudel bewachte Raum kann
Gebäude, Ställe und Freiland mit einbeziehen und besteht
aus dem Revier und dem Aktionsraum. Im Revier liegt der Bau oder
der Unterschlupf mit Nest(ern). Die Rudelmitglieder markieren die
Laufwege (Wechsel) im Revier und Aktionsraum mit Duftmarken (Urintröpfchen).
Der Aktionsraum umgibt das Revier und kann bis auf 2 km ausgedehnt
sein (STEINIGER, 1951 ). Im Aktionsraum liegen Nahrungsquellen,
Tränken, Sonnen- und Sandbadeplätze. Vergrößert
sich ein Rudel ohne eine entsprechende Reviervergrößerung,
tritt eine Stresssituation ein. Es kommt zu Störungen im Zusammenleben
der Tiere (starker Populationsdruck).
Im städtischen Randgebiet oder in Gemeinden dienen Kompost-
oder Dunghaufen, Fäkaliengruben, Tierunterkünfte, Keller
usw. als Unterschlupf- und Wohnstätten.
Feinde
Im Freiland stellen Marder, Iltis, Hermelin, Katzen, verwilderte
Hauskatzen, Bussard, Habicht, Eulen und Graureiher den Ratten nach.
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