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Der Hausbock, Hylotrupes bajulus (L.)

Der Hausbock (Hylotrupes bajulus) ist "der" Zerstörer von Bauholz (Splintholz aller gängigen Nadelholzarten) , gegen den an dem bei uns sehr verbreitet verbauten und am meisten gefährdeten Fichtenholz ein vorbeugender chemischer Holzschutz für tragende und aussteifende Bauteile durchgeführt wird.

Wie unsere langjährigen Erfahrungen bei Ortsbesichtigungen und bei der Beantwortung von Anfragen zeigen, kann er durchaus "Totalschäden" in Dachstühlen anrichten, wie das linke Bild eines völlig zerstörten Balken augenscheinlich belegen soll.

Oft werden aber auch unsinnige Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt.

Wenn der Befall so stark ist, daß der Dachstuhl ohnehin ersetzt werden muss, oder wenn er schon erloschen, sehr schwach oder auf sehr altem Holz (ab 100 Jahren) mangels nötiger Holzinhaltsstoffe (z.B. Eiweiße) ohne rechte Entwicklungsperspektiven ist; manchmal sogar, wenn gar kein Hausbock da ist, sondern nur alte Scheibenbockspuren oder Holzwespenlöcher.

Es ist nötig, Holzalter und Befallsintensität vor einer Bekämpfung abwägend zu beurteilen. Ein Neubefall von bis dahin nicht befallenem Holz ab ca. 60 Jahren ist zumindest statistisch sehr selten und ist daher als unwahrscheinlich anzunehmen, was einen späteren vorbeugenden Holzschutz bestimmungsgemäß als grundlos ausschließt. Bis dahin unbefallenes Holz ab 100 Jahren ist kaum mehr gefährdet, ab 140 Jahren ist ein Befall die absolute Ausnahme und erlangt stets als Einzelfall ganz besondere Beachtung.

Eine unverbaute alte Holzkonstruktion mit geschlossenen bedeckter "Jahrhundertstaubablagerung" gibt dem Hausbock keine einladene Möglichkeit Eier abzusetzen. Reparaturarbeiten an älteren Holzkonstruktionen mit größeren Querschnitten können jedoch zu frischen Anschnittstellen führen, die - wenn noch die nötigen Holzinhaltstoffe ausreichend vorhanden sind - sehr wohl ein neues Einfallstor für einen Befall bilden können. Frisches Reparaturholz flankiert diese Befallsmöglichkeit.

Der Hausbock ist meistens unscheinbar, ein ovales Ausflugloch 5-7-10 mm zeigt, hier ist er anzutreffen.

Und so sieht es darunter aus, ein zerstörter Deckenbalken, rechts ein ovales Ausflugloch.

Eine aufwändige Bekämpfung des zweiten weit verbreiteten Holzzerstörers, der sich in Dachstühlen gar nicht so wohl fühlt, nämlich des Nagekäfers (= "Holzwurm´", Anobium punctatum) ist selten gerechtfertigt.

Im folgenden wollen wir die wichtigsten Fragen für die Praxis beantworten:

Woran erkennt man einen Hausbockbefall?

Über 100 Jahre altes Kiefernrundholz in der russischen Siedlung Alexandrowka in Potsdam

Oft ist er gar nicht recht zu bemerken: Das Bild links zeigt ein über 100 Jahre altes Kiefernrundholz in der russischen Siedlung Alexandrowka in Potsdam. Oben rechts erkennt man zwei kleine Löcher. Darunter ist (nur!) das hellgrau verwitterte Splintholz zerstört!

Die Larven des Käfers, der seine Eier in Holzrisse legt, brauchen 3 bis 6, manchmal auch bis zu 12 Jahre für die Entwicklung zum fertigen Vollinsekt (Imago).

Nach der langen Fraßzeit als Larve im Holz und der am Ende folgenden Verpuppung (Verwandlung der Larve zum Käfer), verlassen die fertigen Hausbockkäfer nun durch die charakteristischen ovalen Löcher mit einem Längsdurchmesser von 5 bis 10 mm das Holz, um sich fortzupflanzen.

Auch ein Indiz auf einen vorausgegangenen Hausbockbefall: Die Schnabelhiebe des Spechtes zeigen den Befallsbereich am Querschnitt des Dachsparrenkopf an, nur der Kern ist nicht schmackhaft genug.

Nach Anreissen der Holzoberfläche kommt der bereits vermulmte Befallsbereich ans Tageslicht. Durch weitere Bearbeitung kann dann der noch nicht befallene tragende Restquerschnitt ermittelt werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann man (vor allem im Sommerhalbjahr) nur die charakteristischen Nagegeräusche (wie wenn man mit den Fingernägelkanten von Daumen und Mitttelfinger aneienander kratzt) hören und manchmal auch oberflächliche Aufwölbungen (wie Krampfadern unter der Holzhaut) sehen.

Der Hausbock hat diesen Dachausbau leider stillgelegt. Die nun nachträgliche Untersuchung wäre doch wohl vor dem Kauf besser gewesen.

Das Fraßbild der Hausbocklarve erzeugt am Holz typische Riffelmarken, weil sich die Larve beim Fressen auch zu den Seiten hin bewegt.

Wenn man die befallenen Balken anreißt oder sie mit der Axt an der Kante anschlägt, durchbricht man leicht die unversehrte Oberfläche und stößt auf ein Gewirr von mit staubendem Bohrmehl gefüllten Gängen (siehe Bild ganz oben) mit den typischen Rippelmarken an den Fraßgangwänden, (siehe Bild oben rechts)

Da eine einzelne Larve im Laufe ihres mehrjährigen Lebens eine große Menge Holz verwertet, ist es auch bei starken Zerstörungen zunächst nicht einfach, ein Exemplar des Übeltäters im Holz zu finden. Wenn man "Glück" hat, begegnen einem in der Flugzeit (Juni bis August) eher die aus der Puppenwiege geschlüpften Vollinsekten, nun als Käfer, die dann nichts anderes zu tun haben, als sich zu begatten und bis 300 neue Eier abzulegen aus denen nach 2-3 Wochen die Eilarven schlüpfen, um sich sogleich ins Holz einzufressen.

Wie kann man einen Befall durch den Hausbock verhindern ?

Da Belastungen von Bauholz mit Holzschutzmitteln aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen minimiert werden sollten, fordert die DIN 68 800 seit Mai 1996 den Vorrang des baulichen Holzschutzes. Schutzmaßnahmen sind nur entsprechend der jeweiligen Gefährdungsklassen durchzuführen. Eine Gefährdung von Holzkonstruktionen durch Pilzbefall (Gefährdungsklasse 2) wird in modernen Wohnhäusern in Holzrahmenbauweise üblicherweise nur bei Schwellen im Fundamentbereich gesehen.

Modernes Wohnhaus in Holzrahmenbauweise.

Die Gefährdung durch Insekten darf man ausschließen, wenn die Holzkonstruktion für diese unzugänglich "umhüllt" wird (siehe oben) oder das Holz für eine regelmäßige Kontrolle zugänglich ist. Ergänzend (zur Sicherheit) oder alternativ kann man Holzarten mit farbigem Kern (mit maximal 10 % Splintanteil) verwenden, die weder vom Hausbock noch vom Nagekäfer befallen werden.

Wenn die konstruktiven Schutzmaßnahmen nicht möglich sind und durch eine entsprechende Holzartenwahl nicht vorgebeugt werden kann, muss man auf die "klassische Verhütungsmethode", den vorbeugenden chemischen Holzschutz zurückgreifen, wie er dann für tragende und aussteifende Holzbauteile im Baurecht zwingend vorgeschrieben ist. In der Praxis wird diese Behandlung allerdings oft sehr unzureichend durchgeführt.

Auf die Risse kommt es dem Hausbock an !
In das zumeist verwendete Fichtenholz dringt das Holzschutzmittel wegen der kurzen Tränkung ohnehin nur wenige Millimeter ein, sodaß ausgerechnet die oft erst später entstehenden Trocknungsrisse ungeschützt sind. Die eigentlich vorgeschriebene Nachbehandlung dieser Risse und eventueller Schnittstellen wird in der Praxis höchst selten durchgeführt.

Aber gerade dort, und nur in (frischen, ungeschützten) Rissen legt ein Hausbockweibchen, nach dem es vom Männchen durch Lockstoffe dort hingeleitet wird, ihre Eier ab.

Um an rissgefährdeten größeren Quersschitten hier Risiken zu minimieren, sollten Sie möglichst rissarmes und (außerdem) technisch getrocknetes Bauholz verwenden, zum Beispiel Konstruktionsvollholz oder Brettschichtholz. Als ungefährdet darf man diese Hölzer allerdings auch nicht ansehen, denn Risse kommen auch hier bisweilen vor. Für Berichte über Schadensfälle an solchem Holz moderner Konstruktionen wären wir sehr dankbar, da Erfahrungen dazu noch gering sind.

Zimmerleute sollten es als Werbung für sich nutzen, wenn sie Ihren alten Auftraggeber nach einem Jahr zu einer Risskontrolle besuchen, um dabei neue Risse nachzuschützen.

Was tun, wenn man die Spuren des Hausbocks findet?

Zunächst: Keine Panik! In vielen Fällen handelt es sich um die Spuren (verbliebene Schäden) eines früheren Befalls, besonders, wenn lichtzugewandte Ausbohrlöcher schon grau und eingestaubt sind. Wenn an freigelegten Fassadenholzbauteilen aus Ausflugslöchern in den Monaten Mai bis Juli frisches Bohrmehl ausgestossen wird, kann dies u.U. auch auf Grabwespen oder Mauerbienen zurückzuführen sein. Diese Insekten sind keine Holzzerstörer. Ihnen dienen alte, vom Bohrmehl gereinigte Fraßgänge zur Eiablage und zur Aufzucht der Brut. (siehe auch: Lignatec 14/2001, S. 13). Ausfluglöcher sind aber nicht allein an der Farbe als frisch zu erkennen, denn wo lagebedingt kein Licht hinfällt, verfälscht der Eindruck.

Das Ist ganz frisch, helles Nagsel an gut belichteter Stelle.

Wenn Sie aber die oben erwähnten Geräusche hören oder sogar die Käfer herumfliegen sehen (Hausbock-Bild) ist durch einen Sachverständigen für Holzschutz festzustellen, ob eine Bekämpfung notwendig ist. (Merksatz: Ohne Befallsnachweis keine Bekämpfung!) Eine Bekämpfung ist z.B. dann nicht nötig, wenn das verbliebene unzerstörte Holz nicht mehr tragfähig genug ist (Statiker hinzuziehen!) oder wenn das Holz schon sehr alt ist und damit für den Hausbock kaum noch verwertbar ist. Alle Zweifelsfälle müssen durch den Sachverständigen für Holzschutz belegt werden, damit der Bauherr vor unnötigen Ausgaben bewahrt wird. Der Sachverständige sollte frei von gewerblichem Interesse sein.

Auf jeden Fall ist ein Hausbockbefall immer großflächig anzunehmen und daher ist der Untersuchungsbereich auf die gesamte Holzkonstruktion auszudehnen, auch die Deckenbalken.

Dieser Sparren mußte ersetzt werden ! Tatsächlich wurde er bei einer "Hausbockbekämpfung" wegen "zu hohem Aufwand" im ausgebauten Dachgeschoss tragend belassen. 12 cm Durchbiegung und eine Verformung der Dachkonstruktion sowie eine erneute "aufwendigere" Baumaßnahme waren dann die Folgen
Bei einer ordnungsgemäßen chemischen Bekämpfung durch ein Fachunternehmen (siehe: http://www.dhbv.de/) oder auch in Eigenregie ist normalerweise alles befallene, vermulmte Holz bis auf den gesunden Querschnitt zu entfernen (bebeilen) und die Oberfläche dann mit einer Drahtbürste von allen losen Teilen zu befreien. Ohne dies wäre keine wirksame Tränkung möglich. Je nach Holzschutzmittel ist eine ausreichende Holzfeuchte durch Wässern herzustellen. Dabei sind Tenside (Spülmittel) als Wasserzusatz hilfreich. Holzschutzmittel auf Glykolbasis bedürfen dem nicht.

Hierbei ist gleich, am Beginn zu überlegen, ob die Restquerschnitte überhaupt reichen - sonst ist ein neues Dach sowieso nötig. Alles Weitere wäre unötige Geldausgabe...
Bei Deckenbalken, die nur von einer Seite aus zugänglich sind, ist nur die Bohrlochtränkung, Druckinjektion oder ein sonstige geeignete Sonderbehandlung möglich.

Dieser Sparren mußte ersetzt werden ! Tatsächlich wurde er bei einer "Hausbockbekämpfung" wegen "zu hohem Aufwand" im ausgebauten Dachgeschoss tragend belassen. 12 cm Durchbiegung und eine Verformung der Dachkonstruktion sowie eine erneute "aufwendigere" Baumaßnahme waren dann die Folgen.

Bei ausgebauten Dachgeschossen ist es erforderlich, die Ziegel aufzunehmen, um mindestens dreiseitig, z.B. an die Sparren heranzukommen.
Bei der sehr gut wirksamen Bekämpfung im Heißluftverfahren (nur im Sommer sinnvoll) ist der Auftraggeber über die Möglichkeit eines Wiederbefalls aufzuklären. Nach Abwägung wird u.U. auch hier eine dann aber nur "vorbeugende" chemische Schutzmaßnahme nötig. Die Prozedur ist dann gleichermaßen und ist immer großflächig auf den gesamten Dachberich angelegt.
Begasungen kommen heute i.d.R. aus Kostengründen an Wohngebäuden nicht in Frage.

Verwechselung: Der Holzbock, Ixodes ricinus (L.)

Im Wort oft verwechselt wird der Hausbock mit dem Gemeinen Holzbock, Ixodes ricinus (L.), einer häufig in Wald und Feld anzutreffenden heimischen Zeckenart. Diese Zecken können Viruskrankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und Borreliose ("Lyme Disease") übertragen.
Die Vorgehensweise der Larven, um an eine nötige Blutmahlzeit bei Mensch ud Tier zu gelangen, ist immer gleich. Sie lassen sich nach langem, geduldigen Warten von Gräsern und Sträuchern auf ihren Wirt fallen, durch krabbeln die Haare und beißen sich auf der Haut ein. Erst wenn sie vollgesogen sind, auf die Größe einer dicken Erbse, lasen sie wieder ab. Je nach Wirt, kann das schon nach Stunden machmal erst nach Tagen geschehen.

Mitbringsel aus warmen Gefilden ? "Hausbockdoppelgänger"

Man ist stets unvorbereitet und überrascht, eines Tages der berühmten Ausnahme von der Regel zu begegnen. So kam uns dann eines Tages ein "Hausbockbefall" an einem Karteikasten, einem Möbelstück aus Buche auf den Tisch. Eine noch enthaltene, zuvor darin noch lebend gefundene Larve bestätigte den aktiven Befall. Anhand der Befallsmerkmale wurde Hausbock bestimmt. Aber der Hausbock befällt ja eigentlich nur Nadelholz? Nicht auszuschließen war z.B. eine mögliche Einotablage. Die Larvenmerkmale am Kadaver entsprachen denen des Hausbocks. Auf die Möglichkeit einer Fehldiagnose hingewiesen, kam nun später die Geschichte des Möbels ins Visier. Hatte der Karteikasten seine Herkunft etwa aus Warmgebieten in Nordafrika, Nordwestasien, aus dem Mittelmeer- oder Schwarzmeerraum, käme hier als "Hausbockdoppelgänger" Hesperophanes cinereus (Villers), volkstümlich: "Hausbock der Laubhölzer" in Frage. Hesperophanes cinereus benötigt ein stets warmes Klima und hat als reines Trockenholzinsekt einen ca. 2-3 jährigen Zyclus.Tatsächlich war das Möbel gerade 3 Jahre alt und stammte von einem Bürobedarfgroßhändler, der "aus aller Welt" beliefert wurde. Eine Herstellung und Import aus südlichen Ländern war nicht auszuschließen. Ob es nun die Ausnahme der Regel oder der Doppelgänger aus dem Orient war, wer weiß es...

Im Nachfolgenden die Befallsbilder dazu:

Die Holzoberfläche zeigt (im Gegenlicht spiegelnd) "Spiegelstriche". Daran ist als Holzart Buche erkennbar. Die äußere Holzoberfläche ist intakt. Holzfeuchte: 8%.

Die innere Kehrseite des gleichen Holzteils. An der Schubfachleiste des Möbelstücks, sind Befallsspuren wie die des Hausbocks erkennbar.

Im Detail die Fraßgänge mit dem wie beim Hausbock typischen Platzfraß und losem Nagsel.

Das Nagsel in der Nahaufnahme zeigt die wie beim Hausbock typischen tonnenähnliche Kotform. (wie Pellets)

Erfolgreiche Teilnahme am Projekt ÖKOPFROFIT Hochtaunus 2015 der Vogt und Sommer GmbH.